Donnerstag, 29. März 2007

intermezzo 1: apartheid

hallo,
zusaetzlich zu meinem normalen tagebucheintraegen will ich auch noch ein paar gedanken zu meinen eindruecken von der reise loswerden, die nicht in das normale raster reinpassen. hier in suedafrika draengen sich natuerlich ein paar bemerkungen ueber die gesellschaft auf.
die apartheid endete vor 17 jahren, doch ich muss sagen, dass sich hier nicht allzu viel geaendert hat (zumindest aus der perspektive eines europaers, die suedafrikaner sehen das vielleicht anders). die verschiedenen rassen sind immer noch weitgehend voneinander getrennt und die extreme soziale ungleichheit ist nach wie vor vorhanden.
was schon ziemlich erschreckend ist, ist die tatsache, das reichtum und dekadenz und absolute armut und unterversorgung nebeneinander existieren, suedafrika also kein armes dritte welt land ist. der reichtum ist sehr gut in kapstadt (aber nicht nur dort) zu beobachten, wo im reichenviertel clifton heights die krassen supervillen stehen. festungen gleich in den berg reingebaut und direkt am meer gelegen sind sie oft nur ueber eigene bergbahnen (wie am neroberg) zu erreichen, pool mit blick aufs meer ist standard und die bevorzugten fortbewegungsmittel sind nobelkarossen und oldtimer.
auf der anderen seite natuerlich die townships, in denen fliessend wasser im haus und elektrizitaet schon luxus darstellen. die townships gibt es auch nicht nur in kapstadt, sondern jede kleinere und groessere stadt hat sein eigenes township, in sicherer entfernung, am rande der stadt.
morgens stroemen die schwarzen dann in scharen in die stadt um hier die hilfsjobs fuer die weissen zu erledigen (bauarbeiter, putzfrau, bedienung etc.).
die weissen scheinen sich dabei nicht wirklich viel zu denken und haben sich scheinbar gut in diesem system eingerichtet (sie profitieren ja auch davon).
das hoert sich jetzt vielleicht sehr krass an und relativierend muss ich einwenden, dass ich natuerlich erst 10 tage hier bin und mir also eigentlich auch kein profundes urteil erlauben kann, aber dies ist nun mal mein erster eindruck.
natuerlich wird hier auch einiges getan, mit vielen programmen zur besserstellung der shcwarzen, doch davon ist bis jetzt nicht viel zu spueren. habe auch den eindruck, als ob sich sowohl die schwarzen als auch die weissen mental immer noch in der apartheid befinden. es gibt hier zwar keine offene diskrimierung, aber die leute akzeptieren die verhaeltnisse so wie sie sind.
ein blick ins eigene land kann eventuell verstaendnis wecken: auch 17 jahre nach der wiedervereinigung ist die "mauer in den koepfen" bei vielen immer noch da und eine vollendete einheit noch nicht erreicht.
trotz alledem ist suedafrika natuerlich ein wunderschoenes land und definitiv eine reise wert!
gruss christian

4 Kommentare:

rantanplan hat gesagt…

richtig, die Unterschiede sind auch 13 Jahre nach der Wahl von Mandela noch immer sehr groß, aber was ist die Alternative? Enteignungen? Ergebnis siehe Zimbabwe. Ich denke schon, dass sich einiges geändert hat. Angefangen bei der gesamten politischen Struktur (bis auf Kapstadt wird Südafrika ab Bürgermeisterebene komplett von Schwarzen (=ANC) regiert) über das Bildungssystem bis hin zur "positiven Diskrimierung" (black empowerment!).
Das mit den den schwarzen Dienstleistern in den weißen Vororten mutet krass an, wird lokal aber eher als gezielte Unterstützung von schwarzen Familien gesehen: Die weißen Arbeitgeber legen in der Regel Rentengelder für ihre Hausangestellten an, kümmern sich im Krankheitsfall um sie und beschäftigen sie meist über viele Jahre. Klar, ist nicht das beste Modell, aber die Alternative für die meisten Leute aus den Townships wäre keinen Job zu haben, in den Jahren der Apartheid wurde den Schwarzen noch nichtmal Lesen und Schreiben beigebracht. Vieles was im Augenblick schief läuft liegt auch einfach an Raffgier, Korruption und Unfähigkeit des ANC (frag mal jemanden nach dem Herrn Yengeni!). Es gibt eine signifikante Umverteilung von "Weiß" nach "Schwarz", sie kommt aber eben nur einem kleinen Kreis von Leuten zu Gute...

Anonym hat gesagt…

Wenn mal einer überlegt wie lange des in de USA gedauert hat bis die Afro-Amerikaner wirklich gleichberechtigt waren, hat Afrika noch einiges vor sich...wobei man noch immer argumentieren kann dass die Afro-Amerikaner nicht wirklich gleichberechtigt sind...siehe "LA Crash" Jack Nicholson sagt in Departed: "the only thing I hate about them niggers, is that you not gonna get anything, you gotta take it"
Ist jetzt kein lobenswertes Zitat, aber wahr ist auch dass "manche" nun mal auf Diskriminierung bauen, oder dies als Entschuldigung nutzen. Sorry, meine schwarzen Brüder, aber wie oft habt Ihr schon gehört: "It's because I'm black", oder "doch nur weil ich schwarz bin"

Natürlich lebten in Afrika zuerst die schwarzen und die weißen kamen dann...aber wie will man denn ein Land "ordentlich" regieren indem es noch net mal'ne ordentliche Infrastruktur gibt, Korruption ist überall, keine reibunglose Nachrichtenüberbringung, jeder denkt an sich...man kann doch keinem Kind'en Schlüssel geben und sagen: Jetzt fahr mich heim!
Afrika ist einfach total arm(wenn Sie was haben, bringen Sie sich gegenseitig dafür um"Blood Diamonds"), unterentwickelt und rückständig...die können doch gar net mit Europa mithalten.
Jedes Dorf hat ne andere Sprache, hat nicht Mao(China) damals entschieden nur noch eine Sprache als Amtssprache gelten zu lassen(oder war das die Idee von dem Emperor bei "Hero")...war ne harte Maßnahme!
Afrika muss Step by Step versuchen die Probleme des "gesamten" Landes zu beheben...angefangen bei der Korruption! Sie müssen sich mit Ihrem Land identifizieren können und sich gegenseitig respektieren...erst dann werden Sie auch ernst genommen! Stellt euch mal vor die hätten die technischen Voraussetzungen 'ne Atombombe zu bauen...ach Du liebe Zeit!
Alles beginnt bei den Kindern! Die Kinder müssen alle die Möglichkeit haben eine Schule zu besuchen, in denen fähige Lehrer ihnen was beibringen...Sie dürfen keineswegs als Soldaten verwendet werden...ist ja der hammer...noch net mal im antiken Griechenland und Rom wurden "Kinder" als Soldaten benutzt...Sie wurden vielleicht zu Killern ausgebildet, aber haben nicht mit 8-10 schon an'nem Kampf teilnehmen müssen...und wem haben wir all dies teilweise zu verdanken. Wir sind alle Schuld, die reichen Länder nehmen Afrika aus, die schwarzen sagen es ist alles unsere Schuld, die weißen in Südafrika sagen: Ist doch gar net so schlimm, uns gehts gut! Die Europäer sagen: Tut uns Leid was mit euch so passiert, ist ne Schande, aber hier nehmt unser Müll für 'en paar Mille...;-)...ach ja, noch en schönen Dank an das Christentum...hat ja viel gebracht, nee wahr???

Anonym hat gesagt…

und da sagt noch einer kino würde nicht bilden

Anonym hat gesagt…

...OK...war ein wenig voreilig in meiner Argumentation, aber nach ein wenig Recherche sind meine Argumente gar net mal so daneben, habe eben
An African Solution for Africa’s Poverty

by Rev. Michael Oluwatuyi
gelesen...
...kannste ja mein comment lösche, my N....
Folge 15 war der hammer...freu Dich schon mal auf die komplette restliche Staffel Lost...arbeite übrigens bei Enigma, den Laden kennst de doch, oder???